Kunststücke  ©Ulrike Miesen-Schürmann 2006

 

Sie rüttelt den Schlüssel im Schloss der alten verzogenen Holztür, die sie bei ihrem Einzug pastellgelb gestrichen hat. Es machte Spaß, die gehobelten Absätze und Verzierungen entlang zu pinseln. Sie dachte dabei an den Karton „Malen nach Zahlen“ vom Onkel zum Geburtstag: drei Pferdeköpfe zum Ausmalen. Dabei wurde nicht verlangt, kreativ zu sein. Ihre Eltern versteckten das Geschenk. Sie fand es zwischen Kochtöpfen und vergessenen Marmeladengläsern. Während sie die feinsten Pinsel in die Plastikpalette mit den gefüllten Farbenmulden tauchte und die Nuancen den Zahlen zuordnete, kam ihre Mutter häufig ins Zimmer und wollte mit ihr einkaufen gehen. Sie ging nicht mit. Dann schleuste sich der Vater herein und wollte mit braunen, nasskalten Tonklumpen in sein Atelier locken. Ohne Erfolg. Als ihre Werke fertig waren, stürmte sie mit zerwühlten Haaren in die gekachelte Küche. Ihre Eltern wechselten mitleidige Blicke. Dabei glühte der Vater genauso, wenn er eine neue Skulptur vollendet hatte. Aus Trotz holte sie Hammer und Nägel, hängte die Bilder über ihr Bett und nahm dafür einige abstrakte Skizzen ihrer Mutter ab. Immer wenn ein Elternteil sie ins Bett brachte, betrachtete sie demonstrativ ihre Bilder. Irgendwann begann sie die warmen Pferdeaugen zu mögen. Manchmal ging sie mit einer Mitschülerin zu deren Pferd. Dafür durfte diese mit ins Atelier. An solchen Nachmittagen setzte die Künstlertochter sogar einen Klumpen Ton auf die Scheibe und brachte eine gleichmäßige Vase zustande. Ihre Eltern stellten das Gefäß gebrannt und stolz auf den staubigen Kaminsims, während sie an Nebel schnaufenden Pferdenüstern an Hand und Hals dachte.

 

Heute Abend wickelte sie ihren braunen Angoraschal vor dem Nachhausegehen über ihre Nase hinweg. Bei jedem Ausatmen beschlugen ihre Brillengläser. Jetzt nimmt sie den Schal ab und lächelt, als sie im Spiegel die roten Wangen entdeckt. Darunter der Hosenanzug ist ebenfalls braun wie ihr langes Haar und klassisch geschnitten, schmal mit klarer Linie. Sie schreitet über das Parkett durch ihre 100 m². Die Decken sind ebenso hoch und grade wie sie und ihr Gang. An den weißen Wänden hängen erdfarbene Bilder, im Arbeitszimmer sogar ein Pferd in Tusche. Dort bückt sie sich zum Power-Knopf des Computers. Er summt leise und zählt rasend den Speicher nach. Sie hat sich wieder Arbeit nach Hause geschickt und lädt sie vom Firmenserver herunter.

Das Telefon auf dem Schreibtisch dudelt seine Melodie. Das Display leuchtet grün auf und zeigt das Wort „Eltern“. Auf dem Anrufbeantworter glimmt bereits eine digitale rote „1“. Ihre Hand bleibt auf der Maus liegen und klickt das Emailprogramm an. Der AB springt an:

„Hallo Schätzchen!“, hallt die Stimme ihrer Mutter durch die Räume. „Warum bist du immer noch nicht da? Du arbeitest zu viel. Die saugen dich nur aus...“ Es brodelt aus dem Lautsprecher. Dann rauscht irgendetwas in das Blubbern hinein. Sie denkt an Spaghetti. „Ach, du Schande! Ist das heiß! Hannes kommt heute aus der Toskana zurück. Ich habe Italienisch gekocht. Komm‘ doch auch! Meld dich!“

Es klackt. Der AB spult zurück und macht aus der „1“ eine „2“. Ihre Hand ruht immer noch auf der Maus, die Augen auf dem Bildschirm. Dann schnellt sie hoch und geht in die weiße Küche. Sie füllt einen blanken Edelstahltopf mit kaltem Wasser, stellt ihn auf das Ceranfeld und schüttelt den Salzstreuer drei Mal darüber. Kein Salzkorn und kein Wassertropfen gehen daneben. Den Herd stellt sie zufrieden auf „3“. Ich habe heute Zeit!

 

Sein Arbeitsessen mit dem Kunden aus Paris fällt heute Abend aus. Er ist früh zu Hause. 18.00h. Hätte er das gewusst, wäre er nach der Arbeit ins Fitnesscenter gefahren. So zieht er Schlips und Kragen über den blonden kurzen Schopf und mit Eimer, Seifenwasser und Lappen durch seine helle Wohnung. Er schaut gern zu, wenn die Feuchte auf den Glasflächen seiner Tische erst zu Streifen wird und nach und nach verdunstet. Auch zum Staubsaugen ist es laut Hausordnung nicht zu spät. Küche, Flur, Schlafzimmer, Wohnzimmer, Arbeitszimmer. Keine Hausarbeit am Wochenende! Dafür andere Arbeit! Die braune Lauge mit den eingeweichten Staubflocken kippt er in die Badewanne. Dann pult er die Reste aus dem Abfluss und wäscht sich anschließend mit viel Seife die Hände. Jetzt knurrt sein Magen. Auf die Arbeitsplatte legt er eine Tüte Farfalle, ein Päckchen Sahne und ein Stück Putenfilet.

 

Sie setzt sich wieder an den Computer, die Beine übereinander geschlagen, und wippt mit dem Stahlrohrstuhl und einem schwarzen Pumps am großen Zeh. In euch fühle ich mich wohl. Die Augen wandern auf den Bildschirm. Bei euch fühle ich mich auch wohl. Wer mag um diese Zeit online sein? Unten rechts in der Ecke zeigen Zahlen „19:32“.

Kann die Präsentation nicht bis morgen warten? Sie gähnt. Ja, kann sie. Der Browser flimmert auf. Das Königsblau von www.tagesschau.de wirft sich gegen die weiße Wand. Der DAX geht herunter, der Euro hinauf. Faltigbesorgte Politikergesichter schauen auf die Weltsituation.

Auf dem Herd kocht das Wasser. Aus einem Schrank nimmt sie eine Handvoll überlanger Spaghetti. Mama würde die nicht kaufen. Sie könnte damit nicht umgehen. Dafür schlurft sie in Biolatschen am Regal mit Fertigsoßen entlang.

Die Tochter holt Tomaten und eine Zwiebel aus dem Kühlschrank und schneidet sie klein, dazu Kräuter. Den Soßenduft schlürft die Abzugshaube. Nur das Aroma des frisch geriebenen Parmesans wandert in ihre Nase. Viel besser als die Mischung aus Terpentin und Soße!

 

Als sein Teller abgewaschen neben der Spüle trocknet und er die Töpfe wegräumt, ist es kurz vor 20h. Mit einem Joghurt in der Hand setzt er sich auf sein Sofa und schaltet rechtzeitig ein. Nachrichtensprecherinnen müssten pausenlos weinen. Gift, Unglück, Mord, Selbstmord überall. Kein Wunder, dass diese hübsche Braunhaarige kein Lächeln mehr aufbringt! Der Wettermann zeigt bereits ohne ihn auf die Tiefsttemperaturen. Vielleicht gibt es woanders bessere Unterhaltung! Er tauscht den Plastikbecher gegen ein Glas Rotwein und setzt sich in seinen hohen Ledersessel vor den Computer. Favoriten, Ordner: Chat. Links und rechts bunte Werbebanner, in der Mitte Infos zur Plattform. Wenn er Lust auf einen neuen Nickname hat, schaut er sich in seinem Arbeitszimmer um. Sein Blick bleibt an seinem Kinderbild kleben, dem einzigen Farbklecks in dieser Umgebung aus Grau, Weiß und Schwarz. Er malte es nach seiner ersten Reitstunde, um seiner Mutter eine Freude zu machen. Die rahmte es stolz und hoffte, er würde ein guter Reiter. Dabei sah er Pferde lieber ohne Geschirr. Nach einigen tränenreichen Misserfolgen gab seine Mutter auf. Um das Bild krallten sich ihre Finger bis zuletzt. Deshalb hängt es jetzt an seiner Wand.

 

Er fragt sich, auf welche Art von Kontakt er heute Lust hat. Eine klare Antwort bleibt er sich schuldig. Am besten etwas, das alle Möglichkeiten offen lässt. Ein Vorname mit Alter ist langweilig, „Grasgrün“ - macht mich zum Kiffer, „Pferdeschnauze“ – macht mich hässlich und ist außerdem weiblich. Nach Frau ist mir jetzt nicht. Bleiben wir beim Pferd. In das kleine Eingabefeld tippt er „Sattelfest“ hinein.

Sattelfest betritt den Raum.

Der_Sekt: Das prickelt so schön. *g*

Angela34: Mir ist Champagner lieber. Hast Du schon einmal darin gebadet?

Feierabenderotik! Ich weiß nicht, ob ich das heute ertrage.

Onkel Franz: Das klebt doch!

Der_Sekt: Täglich.

Sattelfest: Hallo ihr Badenden!

 

Mit einer Weinschorle geht sie zurück zum Computer. In ihrem Stammchat loggt sie sich als „Muse38“ ein. Es öffnen sich vor ihr unbegrenzte Räume mit unbegrenzten Möglichkeiten für eine Nacht, für eine Woche, für ein Jahr, für zehn Minuten.

Der_Sekt: Hallo Muse!

Immer will er der erste sein!

Onkel Franz: Grüß Dich, Müschen

Der gute Geist wird wieder die ganze Nacht online sein.

Angela34: Die liebe Muse *umärmel*

Sie wird es nie lernen, dass ich für diese Nähe nicht zu haben bin. Egal!

Sattelfest: Guten Abend Muse!

Noch nie gelesen! Wer ist das?

Muse38: Guten Abend meine Kunstfreunde!

Es ist nett gekannt zu werden, aber was ist schon kennen. Wozu kennen? Jeder bastelt sich selbst zurecht, jeder Satz ein Puzzlestück.

Sattelfest flüstert dir zu: An welche Künste denkst du?

Wieder einer, der gleich an Sexkünste denkt. „Sattel“ sagt schon alles. Gott, lass es Intelligenz regnen!

Onkel Franz: Was machst Du schon so früh hier, Muse?

Du flüsterst Sattelfest zu: klassische Musik, darstellende Kunst, gehobene Literatur.

So schlage ich jeden Dummkopf in die Flucht!

Muse: Ich habe keine Lust mehr zu arbeiten. *g*

Sattelfest flüstert dir zu: Wäre dir das Thema „darstellende Kunst“ in einem anderen Raum recht?

Angela34: Frag mich mal!

Sattelfest geht in den Raum „Ein Hoch auf die Kunst“

Sattelfest lädt dich in den Raum „Ein Hoch auf die Kunst“ ein.

Kein Dummkopf? – Abwarten!

Muse: Ich gehe nach nebenan. Bis später!

Du gehst in den Raum „Ein Hoch auf die Kunst“.

Muse 38: Was stellst du dar?

Sattelfest: Möchtest du ein Bild von mir? :-)

Wie platt! Wer weiß, aus welchem Herrenmagazin er jetzt eines kopiert. Mal wieder ein Nacktes für die Sammlung der Musenverehrer?

Muse 38: Wenn du mir eines schicken möchtest, bitte.

Männer können besser gucken als denken! Es wird nicht lange dauern, bis dieser Sattelfeste auch ein Foto von mir will. Was ist an der äußeren Hülle wichtig? Kann er daran sehen, ob er mit mir ins Bett will?

Ein Klick ins Mailprogramm: eine neue Nachricht von einem Ralf, ohne Betreff, ohne Text, aber mit angehängter Datei.

Wie eilig muss er es haben. Wie vielen Frauen schickt er dieses Foto noch? Ich will es gar nicht wissen!

Ein gemaltes Kinderbild füllt den Bildschirm aus: braune Baumstämme links und rechts, darauf grüne Kreise. Unten rechts steht ein perspektivenloses Haus mit grünen Fensterläden, Dachziegeln wie Zungen, darüber viel Himmel mit weißen und blauen Wolken und in der Mitte platziert ein Pferd mit einem Reiter: ein Fuchs mit weißer Blässe. Der Kopf ist zu klein geraten. Der Reiter ebenfalls, aber er trägt eine Reiterkappe und ein rotes Strichgrinsen im Gesicht.

Hat ein braver, sattelfester Familienvater hier die Dateien vertauscht? Damit verscherzt er sich jegliches Cyberabenteuer. Nun wartet er auf meinen positiven Kommentar zu seinem Foto, das ich nicht bekommen habe. Was wird er enttäuscht sein!

Sattelfest: Hast du den Reiter bekommen?

Absicht? Dann ist er ein hyperstolzer Vater, der sich hier produzieren muss. Das wird schnell eintönig.

Muse 38: Hat das deine Tochter gemalt?

Sattelfest: Ich habe keine Kinder. Das ist mein Bild von Brownie und mir.

Muse38: Lebt Brownie noch?

Warum fragt sie nach dem Pferd und nicht nach mir? Will sie mich testen?

Sattelfest: Leider nicht, aber Nosy lebt und ist quietschfidel.

Muse38: Ein Mann, der reitet. Das ist selten.

Sattelfest: Du magst Pferde?

Muse38: Ja.

Hoffentlich hat sie nicht zu viel Ahnung!

Sattelfest: Bist du schon mal geritten?

Muse38: Nein, als Kind durfte ich nicht, war nur manchmal in einem Pferdestall. Ich male sie nur.

Sattelfest: Du bist Malerin – toll! Wie du siehst, war ich nie gut im Pferdemalen. Was für Materialien benutzt du?

Die ist natürlich viel interessanter als so eine Büroschnepfe wie ich!

Muse38: Ich male in Öl, manchmal auch mit schwarzer Tusche und ich töpfere. Was machst du außer reiten?

Sattelfest: Schön. Ich habe hier noch nie eine Künstlerin kennen gelernt. Die meisten Frauen hier sind Mütter oder haben einen öden Job im Büro.

Muse38: Die meisten Männer hier sind aus dem Informatikbereich und haben außer ihrem Computer und Sex nichts im Kopf.

Eine Frau mit befleckten Händen und langen, aber zur Arbeit im Atelier hochgesteckten Haaren. Sie wird einen Kittel tragen und ihre Hände muss sie jeden Abend schrubben. Nein, sie nimmt ein Bad in einer alten Wanne mit Löwentatzen und zur Erholung holt sie sich ein paar Leute auf den Monitor. Ob sie das inspiriert?

Sattelfest: Zu meinem Job: Ich habe einen Pferdestall geerbt.

Seit Jahren hatte sie nicht mehr an die Nähe von echten Pferden gedacht. Jetzt schaut sie zum Bild über ihrem Schreibtisch und entdeckt das angedeutete Tier im Nebel. Es lässt den Kopf hängen. Sie hat es noch nie so traurig gesehen. Die Mähne hängt in graublauen Pinselstrichen herab. Vielleicht fühlt es sich in diesem Rahmen eingepfercht. Oder es friert. Sie könnte ihm einen Namen geben: Roland, Blacky, Salino, Anka standen damals im Stall. Der große feste Roland war der Liebste. Mit seinen weißen Hufen stapfte er oft auf ihre Gummistiefel. Sie wusste nie, ob er sie necken oder riechen wollte.

Sattelfest: Bist du noch da?

Muse38: Entschuldige! Davon kann man leben?

Sattelfest: Sehr gut sogar, zumindest ich. *g* Hast du mit deinen Werken Ausstellungen?

Muse38: Ich komme grade von einer Vernissage aus der Toskana. Dort stelle ich aus.

Sattelfest: Kann man dich auch in Deutschland bewundern?

Muse38: Mich oder meine Werke? *g*

Sattelfest: Am besten beides *g*

Muse38: Ich könnte dir ein Foto schicken, wenn du magst.

Sattelfest: Gern. Gleich?

Muse38: So wild auf mein Bild?

Sattelfest: Vielleicht nicht nur auf das Bild *g*

Muse38: *g* Moment bitte!

Gemalt hatte er als Kind viel. Im Kindergarten hörte die Wachsmalkreide auf dem Papier kleben. Später riss das Papier, weil seine Buntstifte zu doll aufdrückten. Ihm kommt die Präsentation für die neue Software in den Sinn, die er heute noch vervollständigen und ausdrucken muss. Nur Buchstaben - kantig, genormt, schwarz, mit begrenztem Inhalt.

Muse38: Ich habe dir ein selbst geschossenes Foto geschickt.

Sattelfest: Das kannst du auch?! Ich beneide dich.

Ich kann nur das, Reitersmann, aber das sei nicht genug, haben sie gesagt. Klar berechnete Ausschnitte zu fotografieren, sei kein Kunststück. Alles, was man ablichten könne, existiere schon. So schaffe man nichts!

Muse38: Da gibt es wenig zu beneiden. Wie ist es mit deinen Pferden?

Sattelfest: Manchmal ist es zum ... Das Bild ist da. Einen Augenblick!

Eine neue Nachricht von Muse, RE: Ohne Betreff, kein Text, nur das Bild des getuschten Pferdes. Ihm fallen die schwarzen Linien auf, die Kopf, Rücken und Schweif scharf umreißen.

Sattelfest: Wenig Striche und doch ist alles klar.

Muse38: Dir sind Pferde auf der Weide lieber?

Sattelfest: Wenn ihre Mähnen wehen und man ihr Muskelspiel beobachtet, ist jedes Bild zu wenig.

Wie Recht er hat! Damals war das Bild ein Trostpflaster von ihrer Mutter, weil sie nicht reiten durfte. Sie kämpfte mit den Tränen, heute für den Trost.

Muse38: Ich sehe, du magst es nicht.

Sattelfest: Das stimmt so nicht. Gegen mein Bild ist es ein Meisterwerk *g*

Muse38: Dafür muss ich mich jetzt bedanken?

Sattelfest: Nein, natürlich nicht. Ist es verkäuflich?

Muse38: Du musst dich nicht bei mir einschleimen.

Sattelfest: Das will ich gar nicht. Wie kann ich das jetzt wieder gutmachen?

Muse38: Keine Ahnung. Ist das wichtig?

Sattelfest: Mir schon.

Muse38: Wie kann das wichtig sein? Du kennst mich nicht. Vielleicht habe ich nur gelogen.

Sattelfest: Hast du?

Muse38: Kann man im Chat jemandem glauben?

Sattelfest: Ich tue es, wenn ich mich öfter mit dem gleichen Nick unterhalte und nicht ständig andere Geschichten aufgetischt bekomme.

Muse38: Ja, manchmal beruhigt das.

Sattelfest: Inwiefern beruhigen?

Muse38: Man hat den Eindruck, dass auf der anderen Seite ein realer Mensch sitzt.

Sattelfest: Der könnte sich trotzdem verstellen.

Muse38: Warum tut er das?

Sattelfest: Weil er meint, dass er selbst kein Interesse wecken kann?

Muse38: Oder weil er anders sein möchte?

Sattelfest: Oder weil er sich mit jemandem einen Spaß machen möchte.

Muse38: Machst du das jetzt mit mir?

Sattelfest: Nein, ich möchte, dass du mir glaubst.

Muse38: Schön, aber warum sollte ich?

Sattelfest: Weil ich deine Zeilen und dein Pferd mag ... und du vielleicht ein bisschen meinen Reiter?

Muse38: Das wäre ein Argument.

Sattelfest: Ist es denn so?

Muse38: Was wäre, wenn das Pferd nicht von mir ist und ich keine Künstlerin bin?

Sattelfest: Du bist keine?

Muse38: Das habe ich nicht gesagt.

Sattelfest: Was wäre, wenn ich keinen Pferdestall hätte, sondern Software verkaufe?

Muse38: Ich weiß es nicht.

Sattelfest: Ich auch nicht.